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Methodik

Wie wir Indikatoren auswählen, woher die Zahlen kommen — und warum manche scheinbar offensichtliche Kennzahl bewusst fehlt.

Stand: 2026-04-26

Was abgedeckt ist

Phase 1 erfasst alle 27 EU-Mitgliedstaaten in voller Tiefe sowie vier europäische Nachbarländer (Vereinigtes Königreich, Schweiz, Norwegen, Island) auf einer reduzierten Detail-Ebene. Jede Länderseite und die Vergleichstabelle teilen denselben Indikatoren-Satz, sodass Länder wirklich vergleichbar werden.

Die Phase-1-Indikatoren

Aktuell führen wir dreizehn Indikatoren in fünf Kategorien:

  • Wirtschaft & Lebenshaltungskosten: AIC pro Kopf (PPS), mittleres verfügbares Äquivalenzeinkommen, gesetzlicher Mindestlohn, Affordability Ratio, vergleichendes Preisniveau.
  • Arbeitsmarkt: Gesamtarbeitslosenquote, Jugendarbeitslosigkeit (15–24).
  • Sprache: EF English Proficiency Index.
  • Rechte & Freiheiten: RSF Press Freedom Index, Transparency International CPI, ILGA Rainbow Europe Index.
  • Wohlbefinden & Integration: World Happiness Score, MIPEX Gesamtwert.

Warum wir das BIP pro Kopf entfernt haben

Die meistzitierte ökonomische Vergleichsgröße — BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards — ist in zwei unserer Länder stark verzerrt. In Luxemburg pendeln täglich rund 200 000 Menschen aus Frankreich, Deutschland und Belgien ein; ihre Löhne fließen in das luxemburgische BIP, zählen aber zur Bevölkerung ihrer Heimatländer. Das treibt den Pro-Kopf-Wert auf etwa 256 (EU-27 = 100). In Irland nutzen multinationale Konzerne das Land als Drehscheibe für Lizenz-Konstrukte und buchen globale Gewinne dort; das irische statistische Amt hat den Begriff Leprechaun economics für den daraus resultierenden Sprung von 26 % im Jahr 2015 öffentlich akzeptiert.

Eurostat selbst empfiehlt für Vergleiche des materiellen Lebensstandards den tatsächlichen individuellen Konsum (AIC) pro Kopf — und genau den zeigen wir stattdessen. AIC misst, was Haushalte tatsächlich konsumieren — Güter und Dienstleistungen, einschließlich staatlich finanzierter — und ist robust gegenüber den oben genannten Verzerrungen. Unter AIC liegt Luxemburg bei etwa 134 und Irland bei 100, deutlich näher an dem, was eine ankommende Person erwarten kann.

Wir kombinieren AIC mit dem mittleren verfügbaren Äquivalenzeinkommen in Euro, damit ein zweiter wirtschaftlicher Anker sichtbar wird, der explizit gegen die Verzerrung durch Spitzenverdiener immun ist.

Die Affordability Ratio

Länder allein nach Mindestlohn zu sortieren führt in die Irre, weil die Lebenshaltungskosten fast genauso stark variieren. Unsere Affordability Ratio ist eine einfache Annäherung:

affordability = mindestlohn_eur_monat ÷ preisniveau_index × 100

Mit dieser Kennzahl ergibt der polnische Mindestlohn von 977 € pro Monat bei einem Preisniveau von 67 eine Affordability von 1458 — über Spanien (1423) und deutlich über Portugal (1052), obwohl Polens Schlagzeilenwert der niedrigste der drei ist. Die Aussage ist nicht, Polen sei „besser" als Spanien; das Ziel ist, die Lebenshaltungs-Dimension sichtbar zu machen, damit der nominale Lohn nicht das einzige Signal ist.

Quellen und Lizenzen

Jeder Indikatorwert trägt einen Link zur Quelle auf der Länderseite und im Methodik-Akkordeon der Vergleichstabelle. Die aktuelle Quellenliste:

  • Eurostat-Datensätze (CC-BY 4.0): AIC, mittleres Einkommen, Mindestlohn, Preisniveau, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit.
  • EF Education First — English Proficiency Index (freie Nutzung mit Quellenangabe).
  • Reporter ohne Grenzen — World Press Freedom Index (CC-BY-SA 4.0).
  • Transparency International — Corruption Perceptions Index (CC-BY-ND 4.0).
  • Wellbeing Research Centre, University of Oxford — World Happiness Report (CC-BY 4.0).
  • Migration Policy Group / CIDOB — MIPEX (CC-BY-NC-ND 4.0).
  • ILGA-Europe — Rainbow Europe Index (CC-BY 4.0).

Aktualisierungszyklen

In Phase 1 werden Indikatorwerte aus den jeweils aktuellen Veröffentlichungen von Hand übertragen und sind klar als vorläufig gekennzeichnet. Wir bauen automatisierte ETL-Pipelines (Eurostat SDMX, RSF- und Transparency-CSV-Downloads, ILGAs Jahresveröffentlichung), die diese Seeds in Phase 2 ablösen. Bis dahin spiegelt der Stand-Zeitstempel auf jeder Seite das Datum der letzten manuellen Prüfung wider, nicht das der zugrundeliegenden Quelle.

Bekannte Grenzen

  • Politik-Indizes wie ILGA Rainbow, MIPEX und Press Freedom messen Recht und Politik. Sie sind schwache Proxys für die alltägliche gelebte Realität, die zwischen Städten, Vierteln und Communitys stark variiert.
  • MIPEX hat einen normativen Bias (mehr Migrantenrechte = höherer Wert). Wir machen das explizit. Es ist kein Glücks- oder Lebensqualitäts-Score.
  • EF EPI schließt englischsprachige Länder aus (Irland, Malta, Vereinigtes Königreich). Ihre Zelle ist deshalb in der Tabelle leer, nicht null.
  • Manche Länder regeln Löhne über Tarifverträge statt über einen gesetzlichen Mindestlohn (Österreich, Finnland, Schweden, Dänemark, Italien, Zypern). Sie haben eine leere Mindestlohn-Zelle, was korrekt ist.