Vieles in dieser Phase läuft parallel und nicht in fester Reihenfolge — wer einen Studienplatz hat, beantragt damit das Visum; wer als Fachkraft kommt, klärt zuerst die Punkte für die Rot-Weiß-Rot-Karte. Plane für Phase 1 realistisch 3 bis 9 Monate.
Aufenthaltstitel-Optionen prüfen
Welcher Titel zu dir passt, hängt vom Migrationsgrund ab. Die wichtigsten für Drittstaatler:innen:
- Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR) — Österreichs zentraler Aufenthaltstitel für qualifizierte Migration. Punktebasiertes System mit fünf Kategorien:
- Besonders Hochqualifizierte (mind. 70 von 100 Punkten) — Visum zur Arbeitssuche bis 6 Monate
- Fachkräfte in Mangelberufen — bundesweite oder regionale Mangelberufsliste, mind. 55 Punkte
- Sonstige Schlüsselkräfte — Mindestbruttoentgelt 2026 etwa €3 000/Monat (über 30 Jahre) oder €2 600/Monat (unter 30)
- Studienabsolvent:innen — Abschluss an einer österreichischen Hochschule plus Job mit Bruttogehalt mindestens 50 % der Höchstbeitragsgrundlage
- Selbstständige Schlüsselkräfte — Investition oder Innovation, Punktesystem
- Rot-Weiß-Rot-Karte plus — für Familienangehörige von RWR-Inhaber:innen oder bei Wechsel aus anderen Titeln. Erlaubt Beschäftigung beim freien Arbeitsmarkt
- Blaue Karte EU (§42 NAG) — alternativ zur RWR für Akademiker:innen mit Hochschulabschluss und Arbeitsvertrag oberhalb der Schwelle (2026 etwa €51 000/Jahr)
- Niederlassungsbewilligung — Studierende — bei Zulassung an einer österreichischen Universität oder Fachhochschule, Finanzierungsnachweis (2026: rund €660/Monat entsprechend Sozialhilfe-Richtsatz, plus €140/Monat für Wohnkosten falls nicht im Heim), Krankenversicherung. Erlaubt Nebenbeschäftigung 20 h/Woche
- Niederlassungsbewilligung — Sonderfälle — humanitäre Gründe, Künstler:innen, Forscher:innen, Selbstständige in Gemeinden mit Zuwanderungsbedarf
- Aufenthaltsbewilligung — befristet für spezifische Zwecke (Forschung, Studierendenaustausch, Volontariat, Familiengemeinschaft)
- Familiennachzug — Ehepartner:innen, eingetragene Partner:innen, minderjährige Kinder. Voraussetzungen: A1-Deutsch vor Einreise (außer bei Hochqualifizierten und Forscher:innen), Einkommen, ausreichender Wohnraum
Das offizielle Portal migration.gv.at hat einen interaktiven Wegweiser mit Einstufung der RWR-Punkte und Verlinkung zur richtigen Magistratabteilung bzw. Bezirkshauptmannschaft.
Studienplatz, Ausbildung oder Job suchen
Studium. Die zentrale Plattform für nicht-EU-Studierende ist die OeAD-Studienplatzanmeldung (oead.at) mit Beratung und Zulassungstipps. Bewerbung erfolgt aber direkt an die jeweilige Universität — kein zentrales Bewerbungsportal wie in DE oder NL. Bewerbungsfristen variieren stark: meist Februar–April für Wintersemester, Oktober–November für Sommersemester. Die wichtigsten Universitäten: Universität Wien, TU Wien, Karl-Franzens-Universität Graz, Universität Innsbruck, Universität Salzburg, JKU Linz, plus Fachhochschulen wie FH Technikum Wien, FH Wien der WKW.
Studienkolleg-Äquivalent: Vorstudienlehrgang an mehreren Universitäten, primär für Studierende, deren Hochschulreife nicht direkt anerkannt wird. Sprachvoraussetzung B1+ Deutsch.
Stipendien: OeAD vergibt Stipendien aus Bundesmitteln. Ernst-Mach-Stipendium für Studierende aus bestimmten Ländern, Franz-Werfel-Stipendium für Germanistik. Daneben Universitätsstipendien.
Berufsausbildung. Das duale Ausbildungssystem ist offen für Drittstaatler:innen, aber zugangsbedingt — Lehrvertrag und meist B1-Deutsch sind nötig. Plattform: Lehrstellenbörse des AMS (ams.at/jobs). Die Mangelberufsliste enthält auch Lehrberufe.
Job. Für eine RWR-Karte als Schlüsselkraft braucht der Arbeitgeber meist eine Bewilligung des AMS (Arbeitsmarktservice). Quellen für die Stellensuche:
- AMS Online-Jobbörse (ams.at/jobs) — größte österreichische Jobplattform, ~250 000 Stellen
- karriere.at, stepstone.at, monster.at, derStandard Karriere
- LinkedIn — sehr aktiv im Wiener Markt, vor allem Konzerne und IT
- ICT-Spezifisch: devjobs.at, stack overflow jobs
- EU-Institutionen: Wien beherbergt OPEC, OSZE, UNIDO, IAEA — über epso.europa.eu und die jeweiligen Stellen-Portale
- EURES für EU-weite Suche
Spezifika der österreichischen Bewerbung: Tabellarischer Lebenslauf (max. 2 Seiten, Foto noch häufig erwartet), Anschreiben Standard, Empfehlungsschreiben seltener als in DE oder UK.
Anerkennung von Abschlüssen vorab anstoßen
Das österreichische System unterscheidet zwischen akademischer und beruflicher Anerkennung:
- Akademische Anerkennung: zentrale Stelle ist AST — Anerkennungs- und Bewertungsstelle für Bildungsdokumente beim BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung). Online-Antrag, Gebühr ~€150. Ergibt eine Gleichwertigkeitsbescheinigung mit dem österreichischen Hochschulsystem. Dauer 2–4 Monate
- Reglementierte Berufe:
- Ärzt:innen: Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) — Anerkennung des Diploms plus ggf. Nostrifizierung (Anerkennungsverfahren) und Ergänzungsprüfungen. Sprachprüfung Deutsch B2 Medizin
- Pflege: Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) plus Berufsanerkennung durch die ÖGKV (Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband)
- Lehramt: BMBWF und das jeweilige Bildungsdirektorium des Bundeslands
- Anwaltschaft: Österreichische Rechtsanwaltskammer — Eignungsprüfung im österreichischen Recht
- Architekt:innen, Ingenieur:innen: Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen
- Berufsausbildungen: Anerkennung durch die jeweilige Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mit Lehrabschlussprüfung-Verfahren
Praktisch hilfreich: das Anerkennungsportal des Sozialministeriums (anerkennung.at) ist ein durchsuchbares Verzeichnis aller anerkennungspflichtigen Berufe mit der jeweils zuständigen Stelle.
Sprachvorbereitung: Deutsch im österreichischen Kontext
Der erforderliche Mindestlevel hängt vom Titel ab:
- RWR (außer Studierende), Blaue Karte EU, Forscher:innen: kein Sprachnachweis vor Einreise verpflichtend, aber B1 Deutsch stark empfohlen
- Familiennachzug zu Ehegatt:innen: A1 Deutsch vor Einreise (außer bei Hochqualifizierten), abgenommen am Goethe-Institut, ÖSD oder vergleichbar
- Studium: meistens C1 Deutsch (Programmsprache); für englischsprachige Programme entsprechend Englisch
- Niederlassungsbewilligung-Verlängerung nach 2 Jahren: A2 Deutsch verpflichtend
- Daueraufenthalt-EU: B1 Deutsch plus Werte- und Orientierungskurs des ÖIF
- Staatsbürgerschaft: B1 Deutsch plus Staatsbürgerschaftsprüfung
Wo Deutsch lernen vor der Einreise:
- Goethe-Institut weltweit (158 Standorte in 98 Ländern) — Goldstandard, akzeptiert
- ÖSD — Österreichisches Sprachdiplom Deutsch mit Prüfungszentren in vielen Ländern, akzeptiert wie Goethe
- Online-Plattformen: Deutsche Welle, Goethe Online, Lingoda (live online), Babbel, Coursera "German for Beginners" (TUM)
- Lokale Sprachschulen je nach Herkunftsland — vor Anmeldung prüfen, ob Goethe- oder ÖSD-Prüfungen abgenommen werden
Anerkannte Prüfungen:
- Goethe-Zertifikat A1–C2 und ÖSD-Zertifikate A1–C2 — beide gleichwertig
- TestDaF für Studium
- DSH an österreichischen Universitäten direkt abgelegt
- telc Deutsch
Dokumente vorbereiten
Was du im Heimatland besorgen solltest:
- Reisepass mit Restgültigkeit von mind. 6 Monaten über das Visum hinaus
- Geburtsurkunde im internationalen Format
- Heiratsurkunde falls relevant (Familiennachzug, Steuerklasse)
- Schul- und Hochschulzeugnisse im Original plus beglaubigte Kopien
- Arbeitszeugnisse der letzten Jahre — wichtig für RWR-Punkte und Anerkennung
- Polizeiliches Führungszeugnis aus jedem Land mit Aufenthalt >6 Monate in den letzten 5 Jahren
Beglaubigte Übersetzungen ins Deutsche durch in Österreich gerichtlich beeidete Übersetzer:innen (Liste über das Bundesministerium für Justiz unter sdgliste.justiz.gv.at). Manche Behörden akzeptieren auch im Heimatland gefertigte Übersetzungen mit Apostille oder Legalisation.
Wohnungssuche aus dem Heimatland
Der österreichische Wohnungsmarkt unterscheidet sich regional stark — Wien ist mit rund €15–25/m² Kaltmiete für reguläre Mietwohnungen vergleichsweise moderat, Salzburg und Innsbruck sind teurer. Direkt aus dem Ausland eine reguläre Wohnung zu finden ist schwer — Vermieter:innen verlangen Vor-Ort-Besichtigung und Bonitätsprüfung.
Strategie: möbliertes Brücke-Apartment für 2–3 Monate, dann reguläre Wohnung von Österreich aus suchen.
Möblierte Apartments und Co-Living, aus dem Heimatland buchbar:
- Wunderflats — präsent in Wien und allen größeren Städten
- HousingAnywhere — international
- Spotahome — verifizierte Inserate
- Mr. Lodge Wien — Wien-Schwerpunkt
- MyRoom — junge, internationale Zielgruppe
- Co-Living: The Social Hub Vienna, Habyt Wien
Studierendenheime über die OeAD-Wohnservice für Stipendiat:innen, plus die großen Anbieter STUWO, WIHAST, akademikerhilfe, base11. Mieten zwischen €350–€600/Monat je nach Stadt und Standard.
Reguläre Wohnungssuche über willhaben.at (#1 für Mieten und Kauf), immobilienscout24.at, derStandard Immobilien, WG-Gesucht (für WGs).
Sozialer Wohnungsbau: Gemeindewohnungen von Wiener Wohnen und vergleichbaren Stadtbau-Gesellschaften haben in Wien sehr lange Wartelisten und Erfordernis von Hauptwohnsitz mit Wien-Vertrautheit (Wohnticket nach 2 Jahren in Wien beantragbar). Kein Phase-1-Thema.
Digitale Vorbereitung: Bankkonto, SIM, Apps
Bankkonto vor Einreise:
- Wise — Multi-Currency, EU-IBAN, ohne österreichische Adresse
- Revolut — IBAN abhängig vom Registrierungszeitpunkt; oft litauisch
- N26 — deutsche Lizenz, akzeptiert österreichische Adressen
- Bunq — niederländische IBAN
Eine österreichische IBAN (AT…) ist nicht zwingend, wird aber von einigen Vermieter:innen, Versicherungen und der ÖGK bevorzugt. Traditionelle österreichische Banken (Erste Bank, Bank Austria (UniCredit), Raiffeisen, BAWAG PSK, Easybank, bank99) verlangen meist eine Anmeldung in Österreich für die Eröffnung — Phase 2.
Service-Konto als Recht nach Zahlungskontengesetz (ZaKG) — von jeder Bank verpflichtend bereitgestellt.
SIM-Karte / eSIM:
- Österreichische eSIM aus dem Heimatland: A1 PrePaid Online, Magenta Telekom Prepaid, HoT Telekom Austria (Marken bei Hofer), Yesss! mit Tarifen ab ~€10/Monat. eSIM-Aktivierung per App, österreichische Nummer (+43) sofort
- Internationale eSIM für die Reise: Holafly, Airalo, Saily für die ersten Tage
- Tarif-Wechsel später: Vertragstarife mit Bündelung sind günstiger über A1, Magenta, Drei
Digitale Identität und Apps:
- ID Austria — die österreichische digitale Identität (seit 2023 als Nachfolger der Handysignatur). Authentifizierung für FinanzOnline, AMS-Webservice, ELGA (Krankenakte), MeinSV, Wahlservice. Aktivierung erst nach Anmeldung in Österreich, also Phase 2/3
- e-card — österreichische Sozialversicherungskarte mit Foto, ausgestellt von der ÖGK nach Anmeldung. Wird automatisch nach Sozialversicherungs-Anmeldung zugeschickt
Apps zum Vorinstallieren:
- ÖBB App — österreichische Bundesbahnen, sehr nützlich (Wien-internes Pendeln und Fernverkehr)
- Wiener Linien WienMobil App — Wien-ÖPNV
- oesterreich.gv.at App — Bürgerservice
- DeepL oder Google Translate mit Offline-Modus für Behördenkorrespondenz
- Migration.gv.at — Webportal mit mobilfreundlicher Darstellung
Visum bei der Botschaft beantragen
Drittstaatler:innen brauchen für längeren Aufenthalt eine Aufenthaltsbewilligung oder Niederlassungsbewilligung, beantragt aus dem Heimatland bei der österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft, Konsulat). Ablauf:
- Antrag online über migration.gv.at oder direkt bei der Vertretungsbehörde
- Termin bei der Botschaft mit allen Originalen
- Bei positiver Entscheidung: Visum D im Pass, gültig 6 Monate für die Einreise
- Aufenthaltskarte wird nach Anmeldung in Österreich von der zuständigen Magistratabteilung ausgestellt
Wartezeiten auf einen Termin sind regional sehr unterschiedlich — von wenigen Wochen bis zu 6 Monaten. Termin so früh wie möglich buchen.
Standard-Unterlagen: Antragsformular, Pass, biometrische Fotos, Krankenversicherungs-Nachweis für die Reise, Nachweis des Lebensunterhalts, Wohnraumnachweis, Arbeitsvertrag oder Zulassungsbescheid, Anerkennungsbescheid bei reglementierten Berufen, polizeiliches Führungszeugnis, Geburtsurkunde, ggf. Heiratsurkunde, A1-Deutsch-Zeugnis bei Familiennachzug. Visumsgebühr ca. €120.
Krankenversicherung und Reise-KV
Krankenversicherung ist in Österreich Pflicht für alle Wohnenden. Das System:
- Bei Anstellung: Pflichtversicherung in der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) oder einer Sonderkasse (BVAEB für Beamte, SVS für Selbstständige). Anmeldung läuft automatisch über den Arbeitgeber. Beitragssatz ~7,65 % vom Brutto, hälftig vom Arbeitgeber getragen
- Bei Studium: günstige studentische Selbstversicherung der ÖGK (~€60–€70/Monat 2026), alternativ private Versicherung
- Bei Selbstständigkeit: SVS (Sozialversicherung der Selbstständigen) — Beitrag basiert auf Einkommen
- Mitversicherung: Ehepartner:innen ohne eigenes Einkommen können bei der erwerbstätigen Person mitversichert werden (Familienzuschlag fällt aber an)
Für die Reisezeit und vor der Anmeldung brauchst du eine Reise-Krankenversicherung (Care Concept, MAWISTA, Europäische Reiseversicherung, generali, Allianz Travel). Ca. €30–€80/Monat.