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FR · Paris EU member state

Frankreich

Population: 68,400,000 · Languages: FR, EN

Stand:

Über dieses Land

Bitte beachte, dass manche Texte automatisiert aus anderen Sprachen übersetzt wurden. Wir prüfen diese Übersetzungen, können aber nicht in jeder Sprache für absolute Korrektheit und perfekte Stilistik garantieren.

Geografie

Frankreich liegt in Westeuropa und umfasst zudem Überseegebiete in Südamerika und verschiedenen Ozeanen. Das Land erstreckt sich vom Rhein bis zum Atlantik sowie vom Mittelmeer bis zum Ärmelkanal und der Nordsee. Die Hauptstadt Paris ist das zentrale wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Neben Paris gibt es bedeutende urbane Zentren wie Lyon, Marseille und Toulouse. Das Klima variiert zwischen mediterranen Einflüssen im Süden und einem gemäßigten Klima in den nördlichen Regionen.

Geschichte

Das Land entstand aus gallischen und fränkischen Strukturen. Die Französische Revolution und die Napoleonische Ära prägten die staatliche Ordnung. Nach 1945 entwickelte sich Frankreich zu einem Gründungsmitglied der Europäischen Union. Die aktuelle Verfassung aushandelt eine semi-präsidiale Republik. Die staatliche Struktur ist ein unitarisch organisierter Staat.

Wirtschaft heute

Die Wirtschaft basiert auf Dienstleistungen, Luftfahrt und Luxusgütern. Hochqualifizierte Fachkräfte in der Technik und Energiebranche suchen oft Stellen. Während Paris die Finanzdienstleistungen dominiert, konzentrieren sich in anderen Regionen industrielle Fertigung und Landwirtschaft. Die Lebenshaltungskosten in der Hauptstadt sind extrem hoch, während ländliche Gebiete niedrigere Mieten bieten, aber andere sektorale Schwerpunkte setzen. Der Arbeitsmarkt für Nicht-EU-Bürger ist bürokratisch hürdenreich.

Für junge Migrant:innen

Frankreich bietet dir eine hohe Lebensqualität und eine starke kulturelle Präsenz. Du wirst jedoch feststellen, dass die Beherrschung der französischen Sprache essenziell für den Arbeitsmarkt ist. Die Diaspora-Gemeinschaften sind groß und vielfältig. Die hohen Mietpreise in den Metropolen erschweren den ersten Start. Ein spezifisches Hindernis ist die komplizierte französische Verwaltung, welche oft zeitaufwendigig und starrstinnig ist.

Kerndaten

Wirtschaft & Lebenshaltung

Indikator Wert
Bezahlbarkeitsverhältnis (Mindestlohn ÷ Preisniveau)
2015–2024 1,638
AIC pro Kopf (PPS, EU-27 = 100)
2015–2024 106
Median-Nettoäquivalenzeinkommen (€/Jahr)
2015–2025 €26,459
Gesetzlicher Mindestlohn (€/Monat)
2015–2026 €1,823
Vergleichendes Preisniveau (EU-27 = 100)
2015–2024 108

Arbeitsmarkt

Indikator Wert
Arbeitslosenquote (15-74)
2015–2025 7.7 %
Jugendarbeitslosenquote (15-24)
2015–2025 19.7 %

Sprache

Indikator Wert
EF-Index für Englischkenntnisse
530.0

Rechte & Freiheiten

Indikator Wert
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI)
2012–2024 67.0
ILGA Rainbow-Europa-Index
2013–2025 62.0
RSF-Index der Pressefreiheit
2022–2024 78.7

Wohlbefinden & Integration

Indikator Wert
Weltglücks-Index
2011–2024 6.6
MIPEX-Index der Migrantenintegration
56.0

Land im Detail

Entlang der Migrations-Zeitachse: was du wann klären, einreichen und einplanen solltest. Klick auf ein Kapitel für die Tiefe, jede Phase mit eigenen Links, Formularen und Anlaufstellen.

Frankreich hat etwa 68 Millionen Einwohner und bleibt eines der wichtigsten Migrationsziele in Europa. Die folgenden Kapitel folgen dem Ablauf einer Migration: was du in deinem Herkunftsland klären musst, was in deinen ersten Wochen in Frankreich passiert, was dich in den ersten Monaten erwartet, wie sich dein Aufenthalt stabilisiert — und welche Anlaufstellen dich in jeder Phase unterstützen können.

Städte & Regionen

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Vor der Migration: Was du in deinem Herkunftsland klärst

Aufenthaltstitel wählen, Studienplatz/Lehre/Arbeitsstelle suchen, Anerkennung von Diplomen einleiten, Sprache, Dokumente, Wohnung, digitale Vorbereitung – vieles läuft parallel.

Diese Phase verläuft selten linear – wer einen Studienplatz hat, beantragt sein Visum damit; wer eine Arbeitsstelle anstrebt, klärt zuerst die Berufsanerkennung. Die folgende Gliederung ist daher thematisch, nicht chronologisch. Plane realistisch 3 bis 9 Monate für Phase 1 ein.

Aufenthaltstitel prüfen

Der passende Titel hängt vom Migrationsgrund ab. Die wichtigsten für Drittstaatsangehörige:

  • Passeport Talent (L. 421-9 ff. CESEDA) – für Masterabsolventen oder höher mit Arbeitsvertrag über einem Gehaltsschwellenwert (2026: ca. 53.836 € brutto/Jahr für die Bezeichnung „qualifizierter Arbeitnehmer“). Vorteil: Vierjahresaufenthaltstitel ab Beginn, erleichterte Familienzusammenführung.
  • Passeport Talent – Forscher: für Forscher mit Master oder höher und Aufnahmevereinbarung mit einer anerkannten Forschungseinrichtung. Kein spezifischer Gehaltsschwellenwert.
  • Arbeitnehmer / Zeitlich begrenzte Beschäftigung (L. 421-1) – Arbeitsvertrag, geprüft durch die DREETS (ehemals DIRECCTE), die die „Arbeitsmarktsituation“ überprüft. Strenger als Passeport Talent, oft gültig für ein Jahr, verlängerbar.
  • Studentenvisum (VLS-TS étudiant) – nach Zulassung durch eine Hochschule, Nachweis von finanziellen Mitteln (2026: ca. 615 €/Monat, also 7.380 €/Jahr), Krankenversicherung.
  • Arbeitssuche / Unternehmensgründung (APS, Autorisation Provisoire de Séjour) – nur nach einem französischen Masterabschluss oder höher; kein Einstiegspunkt aus dem Ausland.
  • Familienzusammenführung – zugunsten des Ehepartners und minderjähriger Kinder eines Ausländers mit regelmäßigem Aufenthalt von mindestens 18 Monaten; Einkommens- und Wohnraumbedingungen.

Das offizielle Portal France-Visas ist der einzige Einstiegspunkt für Visaanträge. Es leitet nach einigen Fragen zum richtigen Visumtyp weiter.

Studienplatz, Ausbildung oder Arbeitsstelle suchen

Studium. Die offizielle Plattform für Nicht-EU/EEA/Schweizer ist Études en France (verwaltet durch Campus France über die „Études en France“-Räume in den Botschaften) – verpflichtende Schritte vor dem Visaantrag für betroffene Länder (ca. 70 Länder: Algerien, Marokko, Tunesien, Senegal, Kamerun, Elfenbeinküste usw.). Für andere Länder bewirbst du dich direkt bei den Universitäten über deren Websites oder über Parcoursup (Bachelor, aber nur für Inhaber eines französischen/europäischen Abiturs oder gleichwertigen anerkannten Abschlusses) oder Mon Master (für Masterstudiengänge).

Der Katalog der Hochschulbildung auf enseignementsup-recherche.gouv.fr listet die ~3.500 Master- und Bachelorstudiengänge auf. Die Erasmus Mundus-Programme und die Stipendien der französischen Regierung (Eiffel, France Excellence) werden von Campus France verwaltet. Die Campus France-Räume in etwa 50 Ländern bieten kostenlose Beratung.

Für ein Studienkolleg-Äquivalent (sprachliche und akademische Vorbereitung vor dem Universitätsstart) gibt es DU FLE (Diplôme universitaire de français langue étrangère) in den meisten Universitäten.

Berufliche Ausbildung. Das französische Ausbildungsystem (CFA – Centres de Formation d'Apprentis) ist für Ausländer weniger offen als das deutsche; ein „Arbeitnehmer“-Visum + Ausbildungsvertrag ist notwendig. France Compétences überwacht das System, Pôle emploi listet die Verträge auf.

Arbeitsstelle. Für ein Arbeitnehmervisum benötigst du einen Arbeitsvertrag, der von der DREETS vor dem Visaantrag geprüft wird. Quellen:

  • Pôle emploi (pole-emploi.fr) – die größte französische Jobbörse, ~700.000 Angebote, auch aus dem Ausland einsehbar
  • APEC (apec.fr) – Association Pour l'Emploi des Cadres, spezialisiert auf Führungspositionen und Abschlüsse auf Bachelor+5-Niveau
  • EURES (eures.europa.eu) – europäische Jobbörse mit französischem Schwerpunkt
  • LinkedIn, Indeed, Welcome to the Jungle – besonders für qualifizierte Profile und Tech-Bereiche
  • Stack Overflow Jobs – Informatik

Besonderheiten bei Bewerbungen in Frankreich: Lebenslauf von einer bis zwei Seiten ohne Foto (Fotos verlieren an Bedeutung), Motivationsschreiben sehr formalisiert und gelesen, Referenzen selten vor dem Vorstellungsgespräch gefordert.

Anerkennung von Diplomen vorab einleiten

Das französische System unterscheidet zwischen akademischen (Universität) und beruflichen Diplomen (BTS, BUT, Brevet professionnel). Die Anerkennungspfade unterscheiden sich.

Akademische Diplome: Das Zentrum ENIC-NARIC Frankreich (verwaltet durch France Éducation International) stellt eine Bescheinigung über die Vergleichbarkeit zwischen deinem ausländischen Diplom und dem französischen LMD-System (Licence-Master-Doctorat) aus. Online-Verfahren auf phoenix.france-education-international.fr, Kosten ~70 €, Bearbeitungszeit 2–4 Monate. Die Bescheinigung hat keine strikte rechtliche Gültigkeit, wird aber von Arbeitgebern und Universitäten weit akzeptiert.

Reglementierte Berufe (Medizin, Pflege, Physiotherapie, Recht, Lehre): Die Anerkennung erfolgt über die berufliche Kammer (Ordre des Médecins über das CNOM, Ordre des Infirmiers, Conseil National des Barreaux usw.). Für Nicht-EU-Absolventen ist die PAE – Autorisation d’Exercice der entscheidende Schritt in der Medizin (EVC – Prüfung der Fachkenntnisse). Bearbeitungszeit: 1–3 Jahre je nach Fachgebiet.

Weiterbildung / VAE: Die Validation des Acquis de l’Expérience ermöglicht die formelle Anerkennung von durch Berufserfahrung erworbenen Kompetenzen. Langwieriger Prozess (6–12 Monate), aber kostenlos oder gefördert.

Französischkurse im Herkunftsland und Sprachprüfung

Das erforderliche Niveau hängt vom Aufenthaltstitel ab:

  • Passeport Talent, Arbeitnehmer: Kein Niveau vor der Einreise erforderlich, aber B1 wird für die Integration dringend empfohlen
  • Student: Je nach Studiengang B2/C1 (außer bei englischsprachigen Programmen)
  • Ehepartner eines Ausländers oder Franzosen: A1 vor der Einreise für den Ehepartner eines Franzosen; A2 in einigen Fällen für die Familienzusammenführung
  • Einbürgerung: B1 mündlich und schriftlich

Wo Französisch lernen vor der Abreise:

  • Alliance française – offizielles Netzwerk, ~830 Standorte in 130 Ländern. Kurse und Prüfungen. Referenz für Qualität und Anerkennung.
  • Institut français – kulturelle Mission Frankreichs im Ausland, etwa 100 Institute weltweit, oft an Botschaften angegliedert. Kurse und Zertifizierungen.
  • Kostenlose Online-Kurse: TV5 Monde Apprendre (apprendre.tv5monde.com), RFI Savoirs (savoirs.rfi.fr) – öffentliche Ressourcen von A1 bis C1 mit Audio
  • Kostenpflichtige Online-Kurse: Frantastique, Lingoda, italki – flexibel, live mit Lehrern

Anerkannte Prüfungen:

  • DELF/DALF (Diplôme d'Études en Langue Française / Diplôme Approfondi) – Referenz für A1 bis C2, verwaltet durch France Éducation International, lebenslange Gültigkeit
  • TCF (Test de Connaissance du Français) – Niveauprüfung, Gültigkeit 2 Jahre, schneller zu absolvieren
  • TEF (Test d'Évaluation du Français) – privates Äquivalent, von einigen Präfekturen akzeptiert

Dokumente vorbereiten

Was du in deinem Herkunftsland sammeln kannst und musst – die Sammlung dauert oft mehrere Wochen:

  • Reisepass mit mindestens 3 Monaten Gültigkeit nach dem geplanten Aufenthaltsende und 2 freien Seiten
  • Geburtsurkunde im internationalen Format (Formular E)
  • Heiratsurkunde falls relevant (Familienzusammenführung, Steuerstatus)
  • Schul- und Hochschuldiplome in Original und beglaubigten Kopien
  • Zeugnisse (transcripts)
  • Arbeitszeugnisse der letzten Jahre – wichtig für die Berufsanerkennung
  • Führungszeugnis (oft für sensible Jobs gefordert, aber auch für die Einbürgerung)

Für jedes Dokument benötigst du eine beglaubigte Übersetzung ins Französische durch einen bei einem französischen Berufungsgericht zugelassenen Übersetzer (Verzeichnis online auf cour-de-cassation.fr). Je nach Land kann eine Apostille von Den Haag (Vertragsstaaten) oder eine Legalisation (andere Länder) erforderlich sein. Bei Unsicherheit frage vorher – ein abgelehntes Dokument kostet 4–8 Wochen.

Wohnungssuche aus dem Ausland

Eine Standardwohnung in Frankreich aus dem Ausland zu finden, ist sehr schwierig. Vermieter verlangen fast immer eine Besichtigung, einen vollständigen Ordner (3 letzte französische Steuerbescheide, 3 letzte Gehaltsabrechnungen, Bürge mit Wohnsitz in Frankreich) und unterschreiben selten aus der Ferne. Pragmatische Strategie: Übergangsmiete für 2 bis 3 Monate, dann endgültige Suche aus Frankreich.

Möblierte Wohnungen und Co-Living buchbar aus dem Ausland:

  • Studapart – Plattform für Studierende, Mieten ab einem Monat, mit integrierter Bürgschaft
  • Lokaviz – Dienst des CROUS (Centres régionaux des œuvres universitaires et scolaires) für Studierende
  • HousingAnywhere, Spotahome – internationale möblierte Mieten
  • Habyt, NUMA, The Babel Community – Co-Living, meist in Großstädten

CROUS: Für Studierende bietet das öffentliche Netzwerk von Studentenwohnheimen Mieten zwischen 180 und 400 €/Monat in Zimmern oder Studios. Beantrage frühzeitig auf messervices.etudiant.gouv.fr (DSE – Dossier Social Étudiant). Lange Wartelisten in Paris, kürzere in der Provinz.

Standardsuche auf SeLoger, Leboncoin Immobilier, PAP (pap.fr), Logic-Immo: Fast unmöglich ohne Anwesenheit in Frankreich und französischen Bürgen. Nutze sie jedoch, um Preise und Viertel zu erkunden.

Digitale Vorbereitung: Bankkonto, SIM-Karte, Apps

Bankkonto vor der Ankunft:

  • Wise (wise.com) – Multiwährung, französischer RIB verfügbar, Eröffnung ohne französische Adresse, ideal für Überweisungen aus dem Herkunftsland
  • Revolut – IBAN aus Litauen oder Frankreich je nach Anmeldezeitpunkt
  • N26 – deutsche Bank, deutscher IBAN, akzeptiert manchmal vorübergehende Adressen
  • Bunq (Niederlande) – niederländischer IBAN, zugänglich für Nicht-Residente

Ein französischer RIB ist wertvoll, da viele Arbeitgeber und Vermieter nur SEPA-Abbuchungen auf französische RIBs akzeptieren. Klassische französische Banken (BNP Paribas, Société Générale, Crédit Mutuel, Banque Postale) verlangen in der Regel eine Anmeldung in Frankreich – also in Phase 2 zu eröffnen. Der Grundbankdienst ist durch das Bankengesetz (Artikel L312-1 des Code monétaire et financier) für alle in Frankreich ansässigen Personen garantiert, die kein Konto anderswo eröffnen können: Die Banque de France weist eine Bank zu, die den Kunden akzeptieren muss.

SIM-/eSIM-Karte:

  • Französische eSIM aus dem Ausland: Free Mobile, Orange Open, SFR, Bouygues, B&You bieten Prepaid-Tarife ab ~10 €/Monat an. Aktivierung über die Mobile App, französische Rufnummer sofort zugewiesen
  • Internationale eSIM für Reisen: Holafly, Airalo, Saily – teurer, aber sofort verfügbar, nützlich für die ersten Tage
  • Tarifwechsel nach der Ankunft: Tarife mit Bindung (Mobilfunk + Internet-Box) sind nach einigen Monaten günstiger

Digitale Identität und Apps:

  • FranceConnect – eindeutige ID für öffentliche Dienste (Steuern, ameli, Krankenkarte usw.). Erstellung möglich nach Erhalt einer Steuer- oder Sozialversicherungsnummer, also in Phase 2
  • Service-Public.fr – offizieller Referenzportal für administrative Verfahren, mehrsprachig
  • Ameli (Sozialversicherung), Impots.gouv.fr, Mon Espace Santé: nach der Ankunft aktivieren

Nützliche Apps vorab installieren:

  • France Visas (offizielle App zur Verfolgung des Visaantrags)
  • Service-Public.fr mobil
  • DeepL oder Google Translate mit Offline-Modus – zum Übersetzen von Verwaltungsbriefen

Visaantrag beim Konsulat

Staatsangehörige von Drittstaaten reichen ihren Antrag auf Langzeitvisum (Typ D) beim französischen Konsulat in ihrem Land ein. Das Verfahren läuft fast immer über France-Visas online, gefolgt von einem Termin im Konsulat oder über einen Dienstleister (VFS Global, TLScontact je nach Land). Terminwartezeiten: von einigen Wochen bis 6 Monaten je nach Land und Saison.

Standarddokumente: Antragsformular, Reisepass, Passfotos, Nachweis der Unterkunft (Hotelsreservierung reicht in Phase 1), Nachweis der Krankenversicherung für die ersten Monate, Nachweis der finanziellen Mittel, Arbeitsvertrag / Zulassung durch die Universität / Aufnahmevereinbarung je nach Grund, Arbeitgeberdokumente, Führungszeugnis für bestimmte Visa.

Die Kosten für ein Langzeitvisum betragen in der Regel 99 €. Das VLS-TS (Visa Long Séjour valant Titre de Séjour) wird direkt in den Reisepass gestempelt und gilt als Aufenthaltstitel für das erste Jahr – keine Aufenthaltskarte im ersten Jahr erforderlich, aber obligatorische OFII-Validierung (siehe Phase 2).

Finanzielle Nachweise und Reisekrankenversicherung

Es gibt kein Sperrkonto wie in Deutschland, aber das Konsulat verlangt einen finanziellen Nachweis entsprechend dem Aufenthaltszweck: ca. 615 €/Monat für Studierende (2026), abgedeckt durch Stipendium, Bürge oder Bankkonto. Für das Arbeitnehmervisum gilt der Arbeitsvertrag als Nachweis. Bei der Familienzusammenführung werden die Mittel des Zusammenführenden geprüft.

Eine Reisekrankenversicherung ist für den Visaantrag Pflicht und muss mindestens die ersten Monate (mindestens 90 Tage) abdecken. Übliche Anbieter: April International, Mondial Assistance, Chapka Assurances – zwischen 30 und 80 €/Monat.

Links und Quellen

Formulare und Downloads

Anlaufstellen

Was du nicht erwarten würdest

Länder-spezifische Eigenheiten, mit denen du auch aus europäischer Nachbarschaft heraus nicht unbedingt rechnest. Nicht erschöpfend — beobachtbare Tatsachen, die den Alltag oder die behördliche Realität prägen.

  • Laizität, verfassungsmäßiges Prinzip des Alltags

    Gesellschaftsgefüge
    Gesetze von 1905 und 2004: keine religiösen Symbole in öffentlichen Schulen, Beamte tragen keine sichtbaren religiösen Symbole bei der Arbeit, Staat und Religion sind streng getrennt. Das hat Verfassungsrang, keine kulturelle Vorliebe.
  • CAF/APL — Wohnungsbeihilfe auch für Drittstaatsangehörige

    Finanzen
    Die Caisse d'Allocations Familiales zahlt die Aide Personnalisée au Logement (APL) an alle Personen mit regelmäßigem Aufenthalt und bescheidenen Einkommen — auch ohne französische Staatsangehörigkeit. Oft 100–300 €/Monat. Viele beantragen sie nicht, weil das Verfahren einschüchternd wirkt.
  • Termine in der Präfektur als Schattenwirtschaft

    Verwaltung
    In Paris, Lyon und Marseille herrscht seit Jahren ein systematischer Mangel an Terminen für Aufenthaltstitel. Eine Schattenwirtschaft aus Aktivisten und gewerblichen Vermittlern hat sich gebildet. Das Online-Portal ANEF entlastet langsam, aber unvollständig.
  • Compte Personnel de Formation (CPF)

    Finanzen
    Jeder regulär beschäftigte Arbeitnehmer sammelt jährlich 500 € auf einem persönlichen Fortbildungskonto an, bis zu 5 000 € im Laufe des Lebens. Es kann für staatlich anerkannte Weiterbildungen genutzt werden, einschließlich der Sprachzertifikate DELF/DALF.
  • Der Hausarzt bestimmt die Erstattung

    Verwaltung
    Ohne einen bei der CPAM angemeldeten Hausarzt sinkt die Erstattung der Konsultationen von 70 % auf 30 %. Ein einfaches Formular — wer es nicht kennt, zahlt jahrelang drauf.
  • Trinkgeld wirklich optional

    Gesellschaftsgefüge
    « Service compris » steht auf jeder Rechnung — der Service ist im Preis enthalten. Aufrunden wird geschätzt, aber nicht erwartet.
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Ankunft und erste Wochen in Frankreich

OFII-Validierung, Krankenversicherung, Bankkonto, dauerhafte Unterkunft, Vitalkarte — die Reihenfolge ist wichtig, der Engpass ist oft das OFII.

Validierung des Visums durch das OFII

Falls du mit einem VLS-TS (Visum für längeren Aufenthalt mit Aufenthaltstitel) eingereist bist, musst du dein Visum validieren beim OFII — Office Français de l'Immigration et de l'Intégration innerhalb von 3 Monaten nach deiner Ankunft. Ohne diese Validierung wird dein Status ab dem 4. Monat unregelmäßig.

Der Vorgang erfolgt online über administration-etrangers-en-france.interieur.gouv.fr. Du zahlst eine Aufenthaltssteuer (abhängig vom Grund: 50 € für Studierende, 200 € für Angestellte) in Form von digitalen Steuermarken. Das OFII sendet anschließend eine Validierungsbescheinigung per E-Mail, die als Nachweis für einen regulären Aufenthalt dient.

Für Visa, die kein VLS-TS sind (z. B. Visum "Fachkräfte und Talente", wieder eingeführt 2024), musst du eine Aufenthaltskarte bei der Präfektur innerhalb von 2 Monaten nach der Ankunft beantragen — Wartezeiten können lang sein (3–6 Monate in Paris, kürzer in den Provinzen).

Sozialversicherungsnummer

Die NIR — Numéro d'Identification au Répertoire (Sozialversicherungsnummer) wird vom INSEE bei der ersten Anmeldung zur Sozialversicherung vergeben. Sie ist funktional vergleichbar mit der deutschen Steuer-ID und wird für Gesundheit, Steuern und Arbeit genutzt.

Die Vergabe erfolgt automatisch basierend auf den Dokumenten, die vom Arbeitgeber (für Angestellte) oder von dir selbst über das Formular CERFA S 1106 (Krankenversicherung, Anmeldung) bei der CPAM (Caisse Primaire d'Assurance Maladie) deines Wohnsitzdepartements eingereicht werden. Bearbeitungsdauer: 2–4 Monate für die endgültige Nummer. In der Zwischenzeit wird eine vorläufige Nummer vergeben.

Krankenversicherung: Assurance Maladie und Vitalkarte

Die französische Sozialversicherung ist verpflichtend für alle, die regelmäßig seit mehr als 3 Monaten in Frankreich leben (PUMA — Protection Universelle Maladie). Sie besteht aus zwei Ebenen:

  • Pflichtversicherung (Sozialversicherung) — deckt im Durchschnitt 70 % der laufenden Behandlungskosten. Der Beitrag wird vom Gehalt abgezogen (für Angestellte) oder als Pauschale gezahlt (für andere, z. B. Studierende seit 2018: kostenlose Grundversicherung).
  • Zusatzversicherung — wird dringend empfohlen, deckt die restlichen 30 %. Arbeitgeber sind seit 2016 verpflichtet, eine betriebliche Zusatzversicherung anzubieten.

Beantrage die Vitalkarte sobald deine Sozialversicherungsnummer vergeben ist: online über ameli.fr oder in der CPAM-Filiale, Bearbeitungsdauer ca. 3 Wochen. Bis dahin bewahre alle Papier-Krankenscheine auf — die CPAM erstattet rückwirkend.

Bankkonto

Falls du vor der Ankunft kein Online-Konto eröffnet hast, ist jetzt der Zeitpunkt, ein Konto in Frankreich zu eröffnen. Standarddokumente: Reisepass, OFII-validiertes Visum, Nachweis des Wohnsitzes (Mietquittung, Mietvertrag oder Nachweis der Unterbringung mit Personalausweis der unterbringenden Person), manchmal Arbeitsvertrag.

Der Grundbankdienst (gesetzlich garantiert, Artikel L312-1 des Code monétaire et financier) bleibt eine Option, falls mehrere Banken ablehnen: Die Banque de France weist eine Bank zu, die akzeptieren muss, ohne Überziehungsmöglichkeit, aber mit Zahlungskarte und Überweisungen.

Dauerhafte Unterkunft

Nach der Ankunft wird die Suche nach einer Standardunterkunft möglich, bleibt aber in Großstädten (Paris, Lyon, Bordeaux, Marseille) angespannt. Vermieter verlangen ein vollständiges Mietdossier:

  • 3 letzte Gehaltsabrechnungen oder Arbeitgeberbescheinigung
  • Steuerbescheid (oft nicht verfügbar im ersten Jahr — stattdessen Bescheide aus dem Herkunftsland übersetzt vorlegen)
  • Arbeitsvertrag oder Bescheinigung
  • Personalausweis, Aufenthaltstitel
  • Bürge: natürliche Person in Frankreich, die die Miete garantiert. Falls nicht, Visale-Bürgschaft (kostenlos, verwaltet durch Action Logement) für unter 30-Jährige und bestimmte Angestellte

Wohnbeihilfen: Die CAF (Caisse d'Allocations Familiales) zahlt die APL — Aide Personnalisée au Logement unter Einkommensvoraussetzungen. Beantragung über caf.fr nach Erhalt der Sozialversicherungsnummer.

Konsularische Anmeldung

Für Staatsangehörige bestimmter Länder gibt es kein Äquivalent zur Anmeldung im Register der Franzosen im Ausland — du kannst dich jedoch beim Konsulat deines Herkunftslandes in Frankreich anmelden, um die Passverlängerung, die Stimmabgabe im Ausland usw. zu erleichtern.

Links und Quellen

Formulare und Downloads

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Erste Monate: Anerkennung, Sprache, Integration

Detaillierte Berufsanerkennung, Republikanischer Integrationsvertrag, erste Steuererklärung, Suche nach dauerhaftem Wohnsitz.

Detaillierte Berufsanerkennung

Falls du bereits eine ENIC-NARIC-Bescheinigung in Phase 1 beantragt hast, kennst du die Richtung. Jetzt kommt der operative Schritt für regulierte Berufe — oft nur möglich, wenn du bereits in Frankreich bist.

Medizin: Die PAE — Procédure d'Autorisation d'Exercice wird vom Centre National de Gestion (CNG) verwaltet. Schritte: Prüfung des Dossiers, EVC — Épreuves de Vérification des Connaissances (nach Fachgebiet), Praktikum von 1–3 Jahren je nach Fachgebiet, Antrag auf Eintragung in die Ordre National des Médecins (CNOM). Gesamtdauer: 2–4 Jahre für die volle Zulassung.

Pflegeberufe: Anerkennung durch die ARS (Agence Régionale de Santé) der Region, in der du dich niederlässt. Das Verfahren ist schneller als in der Medizin, ca. 3–6 Monate.

Lehramt: Um als verbeamteter Lehrer zu arbeiten, musst du ein Lehramtskonkurs (CAPES, Agrégation) bestehen — das ausländische Diplom wird über ENIC-NARIC anerkannt, aber der Konkurs bleibt bestehen. Möglichkeit, schneller als vertraglicher Lehrer ohne Konkurs über das Rektorat einzusteigen.

Anwälte: Für Nicht-EU-Anwälte: Prüfung über Kenntnisse des französischen Rechts plus Durchlaufen des CRFPA (Centre Régional de Formation Professionnelle d'Avocats) oder direkte Eintragung für EU-Anwälte.

Handwerksberufe: Die CMA (Chambre de Métiers et de l'Artisanat) erkennt ausländische Berufsdiplome an. Online-Verfahren über artisanat.fr, Kosten ca. 150 €.

Tipp: Die kostenlosen Sprechstunden der MIE — Maisons de l'Information sur l'Emploi oder Pôle emploi international helfen dir, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Sie bearbeiten die Anträge nicht, aber sie vermeiden falsche Fährten.

Republikanischer Integrationsvertrag (CIR)

Für die meisten Neuzugewanderten in regulärer Situation (außer Studierende und Passeport Talent Kurzaufenthalt) ist der Republikanische Integrationsvertrag (CIR) verpflichtend. Er wird mit der OFII abgeschlossen und umfasst:

  • Eine Bürgerbildung von 24 Stunden zu Werten und Institutionen Frankreichs
  • Einen kostenlosen Sprachkurs, um das Niveau A1 (bis zu 600 Stunden), B1 (200 zusätzliche Stunden) oder C1 (100 Stunden für Absolventen) zu erreichen
  • Eine berufliche Standortbestimmung von 3 Stunden mit einem Berater

Die Kurse sind kostenlos und verpflichtend; sie nicht zu besuchen kann zur Nichtverlängerung des Aufenthaltstitels führen. Das DELF A2 am Ende des CIR ist eine Voraussetzung für die Residenzkarte (10 Jahre).

Französischkurse über den CIR hinaus

Um die Niveaus B2/C1 (nützlich für die Berufsausübung und Einbürgerung) zu erreichen, gibt es über den CIR hinaus folgende Möglichkeiten:

  • Greta — Netzwerk des Bildungsministeriums, Weiterbildung, oft über den CPF (Compte Personnel de Formation) für Angestellte finanzierbar
  • Alliance française in Frankreich — kostenpflichtig, aber anerkannt
  • Universitätskurse in Weiterbildung
  • Pôle emploi finanziert Sprachkurse für Arbeitsuchende

Erste Steuererklärung

Die erste Steuererklärung erfolgt im Jahr nach der Ankunft, zwischen April und Juni (genaue Termine jährlich auf impots.gouv.fr). Der Vorgang erfolgt online über FranceConnect. Gängige Abzüge: tatsächliche Fahrtkosten, doppelte Haushaltsführung (falls du unter bestimmten Bedingungen eine Wohnung im Ausland behältst), Kinderbetreuungskosten.

Die bilateralen Steuerabkommen zwischen Frankreich und den meisten Ländern vermeiden die Doppelbesteuerung — prüfe das für dein Herkunftsland geltende Abkommen auf impots.gouv.fr.

Suche nach dauerhaftem Wohnsitz

Falls die Übergangslösung ausläuft, ist es Zeit für eine dauerhafte Lösung. Tools: SeLoger, Leboncoin Immobilier, PAP (Mietverträge ohne Makler), MeilleursAgents (Bewertungen). Mit einem vollständigen Dossier (Gehaltsnachweise, Bürge oder Visale, Arbeitgeberbescheinigung) steigen die Chancen deutlich.

DALO — Recht auf Wohnen: Juristische Möglichkeit für Personen in großer Wohnungsnot. Der Weg ist wenig bekannt, aber in überfüllten Großstädten nützlich.

Links und Quellen

Mehrere Perspektiven

Was Frankreichs Zentralismus für dich bedeutet — Paris als Tor und Last

Was die Daten sagen

Frankreich ist seit Napoleon hochgradig zentralistisch organisiert — Gesetze, Verwaltung, Bildungselite, Konzernzentralen und große Teile der Wissenschaft konzentrieren sich in Paris und der Île-de-France. Eurostat misst: rund 30 Prozent des nationalen BIP entstehen dort, auf etwa 18 Prozent der Bevölkerung. Das ist eine andere Architektur als das föderale Deutschland (16 Bundesländer mit eigenen Verwaltungen) oder die Schweiz (26 Kantone). Für Drittstaatler:innen heisst das: was du einmal über die französische Bürokratie verstanden hast, gilt mit nur kleinen Variationen in Marseille, Lyon, Bordeaux, Lille und Nantes. Der Preis dieser Einheitlichkeit ist die Schwerkraft, mit der Karriere-Optionen Richtung Paris ziehen.

Praktische Vorteile

Einheitliche Regeln: was du für die Präfektur in Paris lernst, gilt fast deckungsgleich in der Provinz — anders als in Deutschland, wo jede Ausländerbehörde leicht andere Praxis hat. Französisch ist überall die Arbeits- und Verwaltungssprache, ohne regionale Sprach-Sub-Realitäten (anders als in Belgien, Spanien oder der Schweiz). Das TGV-Netz ist sternförmig auf Paris ausgerichtet — viele Regionalhauptstädte sind in zwei bis drei Bahnstunden erreichbar, was Karriere-Mobilität ohne Umzug ermöglicht. Die Naturalisation hat national einheitliche Anforderungen, ohne föderale Unterschiede.

Praktische Nachteile

Karriere-Spitze, internationale Konzerne und akademische Eliteausbildung konzentrieren sich überproportional in Île-de-France. Wer in Marseille, Lille oder Nantes bleibt, akzeptiert oft eine andere Karriere-Decke. Die Mietkosten in Paris sind erdrückend — viele Drittstaatler:innen pendeln aus den Vororten der Île-de-France oder leben in der Provinz und nehmen die Reisezeiten in Kauf. Bürokratie ist trotz Zentralismus oft langsam — Termine bei der Préfecture sind in vielen Großstädten Wochen bis Monate vorab ausgebucht. Provinzstädte selbst sind keineswegs zweitrangig: Lyon hat starke Industrie und Forschung, Toulouse ist Aerospace-Zentrum, Bordeaux Kultur- und Wein-Hub, Grenoble Tech und Materialwissenschaft, Sophia Antipolis bei Nizza ein eigenständiger Tech-Park. Die Mieten dort liegen häufig 40–50 Prozent unter Paris bei vergleichbaren Größen.

Was die Forschung findet

INSEE-Auswertungen zur regionalen Lohnverteilung zeigen die Konzentration der hochbezahlten Stellen in der Île-de-France konsistent über Jahrzehnte. Programme wie Action Cœur de Ville und Steueranreize für Niederlassung in mittelgroßen Städten versuchen, diese Schwerkraft zu mildern. Migrationsforschung (Migration Policy Institute, Forschungsstellen wie OFII) zeigt: Drittstaatler:innen konzentrieren sich anfänglich stark in der Île-de-France — das spiegelt aber Diaspora-Netzwerke und Stellenangebot wider, nicht eine Notwendigkeit. Wer für sich ausrechnet, dass Lebensqualität, Mietquote und Sprachintegration mehr zählen als die maximale Karriere-Decke, fährt in französischen Provinzstädten oft besser als in Pariser Pendler-Vororten.

Fragen zur Selbstprüfung

  • Suchst du eine Karriere in einem englischsprachigen Konzern? Diese konzentrieren sich überproportional auf La Défense und Paris — andere Standorte sind dünner gesät.
  • Wieviel deines Nettoeinkommens bist du bereit für Wohnen auszugeben? In Paris sind 40–50 Prozent realistisch, in den Regionalstädten 20–30 Prozent.
  • Brauchst du ein dichtes Diaspora-Netzwerk deiner Herkunftsgruppe? In Paris ist fast jede Diaspora vorhanden; in Provinzstädten variiert das stark — recherchiere konkret für deine Herkunft.
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Etabliert (1–5 Jahre)

Aufenthaltstitel für mehrere Jahre, Familienzusammenführung, Statuswechsel, regionale Unterschiede, Sprachlevel B1+, Unterstützungsnetzwerk.

Nach den ersten Monaten ändert sich die Perspektive. Die dringenden Anliegen treten in den Hintergrund und andere Themen rücken in den Vordergrund — Themen, die du vielleicht in Phase 1–3 aufgeschoben hast: einen längeren Aufenthalt vorbereiten, die Familie nachholen, den Beruf wechseln oder sich selbstständig machen, zum zweiten oder dritten Mal umziehen. Für eine Person aus einem Drittstaat, die zwischen 16 und 30 Jahren eingereist ist, ist diese Phase oft angenehmer als der Einstieg — du hast einen gültigen Aufenthaltstitel, eine Beitragshistorie, eine stabile Wohnung und, in der Regel, ein Französischniveau, das sich dem B1 nähert. Aber die Optionen hängen vom Titel ab, mit dem du eingereist bist, und von der Region, in der du lebst.

Die Niederlassungserlaubnis für mehrere Jahre ist das Zwischenziel dieser Phase. Bei der Verlängerung des ersten jährlichen Titels stellt die Ausländerbehörde in der Regel einen Titel für 2 bis 4 Jahre aus, je nach Titel — vier Jahre für die Bezeichnung „Passeport Talent“, zwei Jahre für die Bezeichnung „Beschäftigung“, ein bis vier Jahre für Studierende je nach Dauer des Studiums. Die Einhaltung des Vertrags zur Integration in die Republik, der mit der OFII unterzeichnet wurde, ist ein zentrales Kriterium: Teilnahme an zivilen und sprachlichen Schulungen, DELF A2 am Ende des Weges. Das Aufenthaltsgesetz (AufenthG) regelt alles. Je mehr du Nachweise sammelst — Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheide, Versicherungsnachweise — archiviere sie sorgfältig: Sie bilden den Ordner für die Niederlassungserlaubnis nach fünf Jahren.

Der Statuswechsel ist das andere große Projekt. Vom Studierenden zum Angestellten, vom Angestellten zum Unternehmer oder der Wechsel des Arbeitgebers im gleichen Status: Jeder dieser Übergänge wird bei der Ausländerbehörde beantragt, manchmal über das Portal ANEF — Administration Numérique des Étrangers en France, manchmal noch persönlich, je nach Ausländerbehörde. Für Titel, die an einen Arbeitgeber gebunden sind (Bezeichnung „Beschäftigung“), ist für einen Wechsel in der Regel eine neue Arbeitserlaubnis erforderlich. Der Übergang in die Selbstständigkeit (Status Unternehmer / Freiberufler) setzt ein wirtschaftlich tragfähiges Projekt und die Eintragung in das entsprechende Register voraus. Die Familienzusammenführung ist nach 18 Monaten regelmäßigen Aufenthalts möglich: Ehepartner, eingetragener Partner, minderjährige Kinder, unter der Bedingung stabiler Einkünfte und einer der Familiengröße entsprechenden Wohnung. Der Ehepartner muss vor der Abreise einen Sprachtest A1 ablegen und unterzeichnet bei der Ankunft seinerseits einen Vertrag zur Integration in die Republik.

Regionale Unterschiede spielen eine größere Rolle, als man denkt. In Paris, Lyon oder Marseille sind die Wartezeiten in der Ausländerbehörde notorisch lang und ANEF ist zum fast obligatorischen Weg geworden, um Monate des Wartens zu vermeiden. In der Provinz — Nantes, Rennes, Toulouse, Strasbourg, Grenoble — werden Termine oft innerhalb weniger Wochen erhalten und der persönliche Kontakt bleibt zugänglicher. Der Wohnungsmarkt, die Lebenshaltungskosten und die Verfügbarkeit von Französischkursen in der Weiterbildung variieren ebenfalls: Île-de-France konzentriert das Angebot, aber zu sehr angespannten Mieten; die regionalen Metropolen bieten ein besseres Verhältnis von Kosten zu Leistungen. Für die Anerkennung ausländischer Diplome bleibt das Centre ENIC-NARIC der nationale Ansprechpartner, und es ist auch Zeit, ein Niveau B1+ oder B2 anzustreben: nützlich für die bevorstehende Einbürgerung, unverzichtbar für viele regulierte Berufe und um die unsichtbaren Decken im Beruf zu durchbrechen.

Das Unterstützungsnetzwerk gewinnt in dieser Phase an Bedeutung. La Cimade, GISTI — Groupe d'Information et de Soutien aux Immigrés, France Terre d'Asile, ATD Quart Monde und die juristischen Sprechstunden im Rathaus kennen die Rechtsmittel im Falle einer Ablehnung, die Wege zur Regulierung und die Fallstricke, die es zu vermeiden gilt. Die Gewerkschaften (CGT, CFDT, FO) begleiten Arbeitskonflikte. Für einen strukturellen Überblick darüber, was diese Phase umfasst, lies den Grundlagenartikel Integrationskurse und Begleitprogramme — was es in welchem EU-Staat gibt.

Links und Quellen

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Aufenthaltskarte und Einbürgerung

Aufenthaltskarte (10 Jahre), Langzeitaufenthalt-EU-Karte für die Mobilität, Einbürgerung per Dekret nach 5 Jahren (2 Jahre für bestimmte in Frankreich diplomierte Personen), Doppelte Staatsbürgerschaft erlaubt, kein kommunales Wahlrecht für Drittstaatsangehörige.

Nach fünf Jahren oder mehr unterscheiden sich zwei Wege: ein Daueraufenthaltstitel als Staatsangehöriger eines Drittstaats oder die französische Einbürgerung. Beide sind zugänglich, beide bedeuten einen unterschiedlichen Status, und du musst dich nicht sofort entscheiden — viele Menschen leben Jahrzehnte mit der Aufenthaltskarte, andere streben die Einbürgerung an, sobald es möglich ist. Die Wahl hängt von deinen Plänen, der Situation in deinem Herkunftsland und davon ab, was der französische Pass für dich bedeutet.

Bei den Langzeitaufenthaltstiteln heben sich zwei Karten ab:

  • Aufenthaltskarte (Artikel L. 426-1 und folgende des CESEDA) — gültig 10 Jahre, automatisch verlängerbar, in der Regel nach 5 Jahren regelmäßigen Aufenthalts oder sofort in bestimmten Situationen (Ehegatte eines Franzosen nach 3 Jahren Ehe, Eltern eines französischen Kindes, unterhaltsberechtigter Angehöriger eines Franzosen, ehemaliger Kämpfer). Voraussetzungen: stabile und ausreichende Mittel, wirksame republikanische Integration (Unterzeichnung und Einhaltung des republikanischen Integrationsvertrags, Französisch-Niveau B1 mündlich und schriftlich seit 2024), keine Bedrohung der öffentlichen Ordnung.
  • Langzeitaufenthalt-EU-Karte — französische Entsprechung des Status des Langzeitaufenthalts, wie in der Richtlinie 2003/109/EG vorgesehen. Gleiche Voraussetzungen wie bei der Aufenthaltskarte, aber mit einem zusätzlichen Vorteil: Mobilität innerhalb der EU, die es dir ermöglicht, in einem anderen Mitgliedstaat einen Aufenthaltstitel nach einem vereinfachten Verfahren zu beantragen. Der Nachteil: längere Abwesenheiten außerhalb der EU können diesen Status gefährden. Wenn dein Horizont strikt französisch ist, reicht die klassische Aufenthaltskarte aus; wenn du später Deutschland, Spanien oder die Niederlande in Betracht ziehst, macht die Langzeitaufenthalt-EU-Karte Sinn.

Die Einbürgerung per Dekret, geregelt durch den Zivilgesetzbuch (Artikel 21-15 bis 21-27), erfordert in der Regel 5 Jahre regelmäßigen Aufenthalts in Frankreich. Die Frist wird auf 2 Jahre verkürzt für Personen, die zwei Jahre höhere Studien in Frankreich erfolgreich abgeschlossen haben oder außergewöhnliche Dienste für das Land geleistet haben, und sie ist noch kürzer für einige Kategorien (Flüchtlinge, frankophone Staatsangehörige von Staaten, in denen Französisch Amtssprache oder Unterrichtssprache ist, unter bestimmten Bedingungen). Die Einbürgerung durch Ehe folgt einem parallelen Verfahren, das nach 4 Jahren Ehe mit einem französischen Ehegatten (5 Jahre bei Aufenthalt im Ausland) zugänglich ist. Voraussetzungen: stabile Mittel, strafrechtliches Führungszeugnis, Französisch-Niveau B1 mündlich und schriftlich, nachgewiesen durch Diplom oder anerkannten Test, und ein individuelles Assimilationsgespräch in der Präfektur über die Kenntnis Frankreichs, seiner Geschichte, seiner Institutionen und der Rechte und Pflichten des Bürgers. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in Frankreich weitgehend anerkannt — du musst nicht auf deine ursprüngliche Staatsangehörigkeit verzichten; allerdings kann das Recht deines Herkunftslandes dies anders regeln.

Das Thema Wahlrecht sollte klar angesprochen werden, da es oft missverstanden wird. Mit einer Aufenthaltskarte oder einer Langzeitaufenthalt-EU-Karte bleibst du Staatsangehöriger eines Drittstaats, und Frankreich, im Gegensatz zu Belgien oder Luxemburg, gewährt Drittstaatsangehörigen kein kommunales Wahlrecht. Dieses Recht ist französischen Staatsbürgern (bei allen Wahlen) und Staatsbürgern eines anderen EU-Mitgliedstaats (nur bei Kommunal- und Europawahlen) vorbehalten. Es ist ein wiederkehrendes politisches Thema seit den 1980er Jahren, das mehrmals zur Debatte stand, aber nie beschlossen wurde. Konkret: Solange du nicht eingebürgert bist, kannst du zwanzig Jahre in derselben Gemeinde leben, deine lokalen Steuern zahlen, deine Kinder in der Nachbarschaftsschule unterrichten und keinen institutionellen Einfluss auf die kommunalen Entscheidungen haben. Es ist eine der sichtbarsten Asymmetrien des Daueraufenthaltsstatus in Frankreich und einer der Gründe, warum manche Menschen den Schritt zur Einbürgerung wagen, obwohl sie mit der Aufenthaltskarte hätten bleiben können.

Diese Phase wirft auch Fragen auf, die kein Formular beantwortet. Französisch zu werden verändert etwas an der Art und Weise, wie man sich selbst erzählt, selbst wenn beide Pässe koexistieren. Manche Menschen erleben die Einbürgerung als Bestätigung eines bereits etablierten Zuhauses, andere als Bruch mit dem Herkunftsland, wieder andere als pragmatische Entscheidung über Mobilität, Wahlrecht oder rechtliche Sicherheit eines in Frankreich geborenen Familienmitglieds. Es gibt keine richtige Antwort. Für einen strukturellen Kontext siehe den Grundlagenartikel Identität nach fünf Jahren — wer du bist, wenn du nicht mehr nur ankommst.

Links und Quellen

Glossar

Bürokratische Begriffe, die auf dieser Länderseite vorkommen — kurz erklärt.

OFII — Office Français de l'Immigration et de l'Intégration
Das OFII, Office Français de l'Immigration et de l'Intégration, ist eine staatliche Einrichtung, die dem Innenministerium unterstellt ist. Es bestätigt die Langzeitvisa, die als Aufenthaltstitel gelten (VLS-TS), organisiert die obligatorische ärztliche Untersuchung für bestimmte Aufenthaltstitel und koordiniert den „Contrat d'Intégration Républicaine“. Wenn du aus einem Drittland mit einem VLS-TS einreist, musst du das Visum innerhalb von drei Monaten nach deiner Ankunft beim OFII bestätigen lassen – andernfalls wird dein Aufenthalt ab dem vierten Monat illegal.
VLS-TS — Visa de Long Séjour valant Titre de Séjour
Ein VLS-TS ist ein Visum für einen längeren Aufenthalt, das gleichzeitig als Aufenthaltstitel für das erste Jahr gilt. Es wird direkt in deinen Reisepass vom französischen Konsulat in deinem Heimatland eingetragen. Es deckt die Kategorien Studierender, Arbeitnehmer, Ehepartner und einige andere ab. Es erspart dir das Verfahren zur Beantragung einer Aufenthaltskarte bei deiner Ankunft, verpflichtet dich aber, dich innerhalb von drei Monaten beim OFII zu registrieren und es vor dem Ablaufdatum bei der Präfektur zu verlängern, diesmal in Form einer Plastikkarte.
titre de séjour
Der „titre de séjour“ ist ein offizielles Dokument, das Staatsangehörigen von Drittstaaten erlaubt, sich länger als mit einem Visum in Frankreich aufzuhalten. Es gibt verschiedene Kategorien (z.B. Passeport Talent, für Studierende, Arbeitnehmer, Familienangehörige oder Besucher), und die Gültigkeitsdauer variiert zwischen einem und vier Jahren, je nach Kategorie und deiner persönlichen Situation. Du erhältst das Dokument von der Präfektur des Départements, in dem du wohnst, nachdem du deinen Antrag online über das ANEF (administration-etrangers-en-france) eingereicht hast.
Passeport Talent
Der Passeport Talent ist eine mehrjährige Aufenthaltserlaubnis (bis zu 4 Jahre), die für qualifizierte Personen gedacht ist – das sind Hochschulabsolventen mit einem Arbeitsvertrag, der über einer bestimmten Gehaltsschwelle liegt (ca. 53.836 € brutto/Jahr im Jahr 2026 für die Kategorie „qualifizierter Angestellter“), Forscher, Unternehmensgründer und anerkannte Künstler. Im Vergleich zur klassischen Aufenthaltserlaubnis für Angestellte bietet sie Vorteile wie eine längere Gültigkeitsdauer, vereinfachte Familienzusammenführung und erleichterte Mobilität innerhalb Europas.
CPAM — Caisse Primaire d'Assurance Maladie
Die Caisse départementale de l'Assurance Maladie ist die Stelle, die deine Anmeldung zur obligatorischen Krankenversicherung verwaltet, dir deine endgültige Sozialversicherungsnummer zuweist und deine Carte Vitale ausstellt. Wenn du aus einem Drittland stammst, erfolgt die Anmeldung automatisch ab dem Zeitpunkt eines Arbeitsvertrags oder einer Universitätsanmeldung, aber es kann bis zu vier Monate dauern, bis du eine endgültige Nummer erhältst – in der Zwischenzeit wird dir eine vorläufige Nummer ausgestellt.
Carte Vitale
Die Carte Vitale ist eine grüne Chipkarte, die deinen Anspruch auf Leistungen der Sozialversicherung belegt. Ohne diese Karte musst du die vollen Kosten für medizinische Behandlungen selbst tragen und erhältst die Erstattung nachträglich über Papierformulare. Du kannst sie auf ameli.fr beantragen, sobald dir eine Sozialversicherungsnummer zugewiesen wurde; die Bearbeitung dauert etwa drei Wochen. Staatsangehörige von Drittstaaten haben ebenfalls Anspruch auf die Carte Vitale, sobald sie ordnungsgemäß bei der Sozialversicherung angemeldet sind, unabhängig von ihrer Nationalität.
CIR — Contrat d'Intégration Républicaine
Der *Contrat d'Intégration Républicaine* (CIR) ist ein Vertrag, den du bei deiner ersten Ankunft in Frankreich mit dem französischen Staat abschließt. Er wird vom OFII organisiert und verpflichtet dich, an einer Bürgerkunde-Schulung (4 Tage) teilzunehmen und gegebenenfalls einen kostenlosen Sprachkurs bis zum Niveau A1, manchmal auch A2, zu besuchen. Für die meisten mehrjährigen Aufenthaltstitel ist der CIR verpflichtend. Die Einhaltung des CIR wird bei der Verlängerung deines Aufenthaltstitels und bei einem eventuellen Antrag auf eine Daueraufenthaltserlaubnis berücksichtigt.
préfecture
Die _préfecture_ ist die Vertretung des französischen Staates auf der Ebene des Départements und zuständig für die Ausstellung und Verlängerung von Aufenthaltstiteln. Die meisten Schritte können online über das ANEF erledigt werden, aber einige (Biometrie, Abholung der Karte) müssen vor Ort erfolgen. Die Wartezeiten für einen Termin variieren stark: In Paris oder im Ballungsraum kann es 3–6 Monate dauern, bis du einen ersten Termin bekommst, in der Provinz oft weniger.
France-Visas
France-Visas ist das offizielle, zentrale Portal für die Beantragung eines französischen Visums. Alle Anträge müssen über dieses Portal eingereicht werden, unabhängig von der Visakategorie. Das Portal leitet dich nach einigen Fragen zum richtigen Visumtyp weiter und ermöglicht dann die Terminvereinbarung bei der Botschaft oder über einen externen Dienstleister (VFS Global, TLScontact, je nach Land). Die Standardgebühr für ein Visum für einen längeren Aufenthalt beträgt 99 €.
FranceConnect
FranceConnect ist ein zentraler Zugang für verschiedene französische Online-Dienste, wie zum Beispiel impôts.gouv.fr, ameli.fr, Mon Espace Santé oder Pôle emploi. Es ermöglicht dir, dich mit nur einem Benutzernamen und Passwort bei mehreren Portalen anzumelden, ohne jedes Mal ein neues Konto erstellen zu müssen. Du kannst FranceConnect aktivieren, sobald du eine Steuer- oder Sozialversicherungsnummer hast. Für Personen aus Drittstaaten, die neu in Frankreich sind, ist dies also erst in einem späteren Schritt möglich.
Service-Public.fr
Service-Public.fr ist das offizielle französische Portal, das alle administrativen Angelegenheiten abdeckt. Dort findest du praktische Informationen in verschiedenen Sprachen, herunterladbare Cerfa-Formulare und Rechner für verschiedene Sozialleistungen. Es ist das französische Pendant zu gov.uk oder bund.de und ein guter erster Anlaufpunkt, um ein Verfahren zu verstehen, bevor du dich auf den jeweiligen Fachportalen (ANEF für den Aufenthalt, ameli für die Gesundheit usw.) informierst.
CAF — Caisse d'Allocations Familiales
Die Caisse d'Allocations Familiales (CAF) ist eine Organisation, die Familienleistungen und die Aide Personnalisée au Logement (APL) auszahlt. Für Drittstaatsangehörige mit legalem Aufenthaltsstatus sind die meisten Leistungen ab der ersten Anmeldung unter bestimmten Einkommensbedingungen verfügbar, unabhängig von der Nationalität – viele potenzielle Antragsteller kennen dieses Recht nicht. Du kannst dich auf caf.fr bewerben, nachdem du deine Sozialversicherungsnummer erhalten hast.
APL — Aide Personnalisée au Logement
Die APL (Aide Personnalisée au Logement) ist eine Wohnbeihilfe, die von der CAF unter bestimmten Einkommensbedingungen gezahlt wird, um die Miete oder die monatliche Kreditrate zu senken. Sie beträgt in der Regel 100–300 € pro Monat, abhängig vom Einkommen, der Miete und der Haushaltsgröße. Staatsangehörige eines Drittlandes, die sich legal in Frankreich aufhalten, können diese Beihilfe beantragen – Staatsangehörige der EU haben automatisch Anspruch darauf, während andere eine Kopie ihres Aufenthaltstitels bei der CAF vorlegen müssen.
Pôle emploi
Der Pôle emploi ist der französische staatliche Arbeitsvermittlungsdienst, der Anmeldungen, Arbeitslosengeld und die Vermittlung von Stellenangeboten verwaltet (etwa 700.000 Angebote). Du kannst ihn bereits aus dem Ausland nutzen, um dich auf eine Jobsuche vorzubereiten, aber für eine formelle Anmeldung benötigst du eine Aufenthaltsgenehmigung, die dir die Arbeitsaufnahme erlaubt, sowie eine französische Adresse. Beachte: Der Pôle emploi ist 2024 mit anderen Diensten zu France Travail fusioniert, aber der Begriff wird weiterhin häufig verwendet.
ENIC-NARIC — Centre ENIC-NARIC France
Das Centre ENIC-NARIC France ist eine nationale Stelle zur Anerkennung von akademischen Abschlüssen, die von France Éducation International verwaltet wird. Sie stellt eine Bescheinigung über die Vergleichbarkeit eines ausländischen Abschlusses mit dem französischen LMD-System (Lizenz-Master-Doktorat) aus. Du kannst dich auf phoenix.france-education-international.fr darum bewerben, die Kosten betragen etwa 70 Euro und die Bearbeitungszeit liegt bei 2–4 Monaten. Die Bescheinigung hat zwar keine formelle Rechtsgültigkeit, wird aber von Arbeitgebern und Universitäten weitgehend akzeptiert – ein nützlicher Schritt vor jeder Bewerbung für eine qualifizierte Stelle.
DELF/DALF — Diplôme d'Études en Langue Française / Diplôme Approfondi de Langue Française
DELF/DALF sind offizielle Sprachzertifikate für Französisch als Fremdsprache, die von France Éducation International vergeben werden. DELF deckt die Niveaustufen A1 bis B2 ab, während DALF die Niveaustufen C1 und C2 umfasst. Beide Zertifikate sind lebenslang gültig und dienen als Nachweis für Französischkenntnisse, beispielsweise bei einem Antrag auf Einbürgerung (mündlich und schriftlich auf B1-Niveau) oder für die Zulassung zu einem Universitätsstudium. Sie sind weltweit anerkannt und werden von den Alliances françaises und den Instituts français angeboten.
CROUS — Centre Régional des Œuvres Universitaires et Scolaires
Der \textit{CROUS} ist ein öffentliches Netzwerk von Studentenwohnheimen, Restaurants und Dienstleistungen für Studierende. Es verwaltet das \textit{Dossier Social Étudiant} (DSE), das Studierenden Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum (180–400 €/Monat) und Stipendien gibt. Studierende aus Drittstaaten können sich ohne Nationalitätsbeschränkung für eine Unterkunft beim \textit{CROUS} bewerben, aber die sozialen Stipendien sind für Staatsangehörige der EU und bestimmte Sonderfälle reserviert.
RIB — Relevé d'Identité Bancaire
Der RIB, oder Relevé d'Identité Bancaire, ist ein Dokument, das alle wichtigen Informationen zu einem französischen Bankkonto zusammenfasst, wie IBAN, BIC, Kontoinhaber und Bankfiliale. Er wird in der Regel benötigt, um automatische Abbuchungen einzurichten, zum Beispiel für Miete, Strom oder Handyvertrag, und um dein Gehalt zu erhalten. Viele Vermieter und Arbeitgeber akzeptieren ausschließlich französische RIBs, weshalb sich viele Menschen aus Drittländern zunächst ein Konto bei Anbietern wie Wise oder Revolut eröffnen und später zu einer französischen Bank wechseln.
NIR — Numéro d'Inscription au Répertoire (numéro de sécurité sociale)
Die NIR, also der Numéro d'Inscription au Répertoire (Sozialversicherungsnummer), ist eine 13-stellige Nummer plus zwei Kontrollziffern, die als universelle Kennung bei der französischen Verwaltung dient – für Sozialversicherung, Steuern und Renten. Sie wird von der CPAM (Caisse Primaire d'Assurance Maladie) nach Genehmigung des Antrags vergeben. Für Personen aus Drittstaaten dauert die Vergabe in der Regel 2–4 Monate, wobei in der Zwischenzeit eine vorläufige Nummer für die Erstattung von Gesundheitsleistungen verwendet wird.
Sécurité sociale
Das «Sécurité sociale» ist ein öffentliches System der Kranken-, Alters-, Familien- und Arbeitsunfallversicherung, das durch Sozialversicherungsbeiträge finanziert wird, welche von den Löhnen abgezogen werden. Für Arbeitnehmer ist die automatische Mitgliedschaft in der allgemeinen Versicherung obligatorisch. Staatsangehörige von Drittstaaten mit legalem Aufenthaltsstatus sind Mitglied, sobald sie arbeiten oder studieren, unabhängig von ihrer Nationalität. Die Standarderstattung deckt 70 % der Kosten im Rahmen eines koordinierten Behandlungspfads ab.

Quellen aus Behörden

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Aufenthaltstitel

Sozialversicherung

Arbeit & Jobsuche